17.09.2021
resis.grundschulliebe

Meine Arbeit als Vertretungslehrerin
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Wie ich euch in meinem letzten Blogbeitrag bereits erzählt habe, arbeite ich nun seit knapp zwei Jahren als PES-Vertretungslehrerin an einer Grund- und Realschule plus. PES bedeutet Personalmanagement im Rahmen Erweiterter Selbstständigkeit von Schulen und wird meines Wissens nur in Rheinland-Pfalz in dieser Form angeboten.

Doch wie kam ich eigentlich dazu, mich schon nach dem 2.Semester als Vertretungslehrerin zu bewerben?

Da ich am liebsten von Anfang an, direkt (ohne Studium) an einer Grundschule gearbeitet hätte, kamen mir die Erzählungen einer Freundin, die nach einem Praktikum eine PES-Stelle angeboten bekommen hatte, sehr entgegen. Also beschloss ich, mich mal auf der Website darüber zu informieren. Da die einzige Voraussetzung das erfolgreiche Absolvieren eines Orientierungspraktikums war, hatte ich mich dann wenige Stunden später im Portal registriert – in dem Glauben, dass mich so schnell eh niemand haben wollte. Dem war nicht so, denn einige Tage später kam schon die erste Anfrage einer Grundschule, welche circa 25min von mir entfernt liegt. Da ich nicht mit weiteren Anfragen rechnete, nahm ich mir vor, am nächsten Tag die Stelle zuzusagen. Glücklicherweise hatte ich einen Tag gewartet, denn am nächsten Tag kam ein Anruf meiner alten Grundschule mit einer Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Da die Schule nur 5min von mir zu Hause entfernt ist und ich einige Lehrer*innen noch aus meiner eigenen Schulzeit kannte :), war ich mir schnell sicher: Da will ich hin! Also fuhr ich am nächsten Tag zur Schule und unterschrieb den Vertrag – erst einmal für ein halbes Jahr mit 3 Stunden pro Woche. Mit 4 Stunden pro Woche wäre ich schon deutlich über den 450€ Grenzwert gekommen, ab dem ich dann Steuern hätte zahlen müssen. Das Gehalt ist also schon einmal alles andere als schlecht 🙂 Zudem war ich zu diesem Zeitpunkt ja erst im 3. Semester und hatte noch einige Seminare und Vorlesungen vor mir. Da ich im dritten Semester immer montags und dienstags „frei“ hatte, waren das dann ab sofort die Tage, an denen ich während der Vorlesungszeit, eingesetzt werden konnte.

Schon an meinem ersten Arbeitstag wurde ich ins kalte Wasser geworfen, da ich 4 Stunden lang in einer 4.Klasse (alleine) eingeplant war. Glücklicherweise war hier im Vorfeld vom Klassenlehrer etwas vorbereitet, was die Schüler*innen in der Zeit machen sollten. Dem war allerdings nicht immer so, weshalb ich immer mehr angefangen habe, im Internet nach Unterrichtsmaterialien zu suchen und schließlich selbst mit dem Erstellen von Materialien, vorrangig Suchseln :), für spontane Vertretungsstunden begonnen habe. Aber auch hierzu kann ich gerne noch einmal in einem separaten Blogbeitrag mehr erzählen. So wurde ich in den nächsten Wochen in den unterschiedlichsten Klassen eingesetzt. Mein Rekord-Tag waren bisher 10 Stunden Vertretung an einem Tag. Manchmal wurde ich aber wochen- oder sogar monatelang nicht eingesetzt, da einfach keine Lehrkraft gefehlt hat. Ab März 2020 wurde ich dann immer wieder auch für die Corona-Notbetreuung eingeplant.

Und nun nach dreimaligem Verlängern meines Vertrages, wartet ab November ein neuer Vertrag mit festen, eigenverantwortlichen Stunden auf mich. Stand heute durfte ich schon 280 Stunden alleine vor einer Klasse stehen und diese Erfahrung kann mir niemand mehr nehmen. Ich glaube, keine dieser Stunden war perfekt. Auch „Unterricht“ würde ich das nicht immer nennen – aber spätestens nach den ersten paar Tagen merkst du, dass „Unterrichten“ nur eine von vielen Aufgaben einer Grundschullehrkraft ist.

Die Arbeit als Vertretungslehrerin bringt meiner Meinung mehr als jedes Studium – denn das was du im Studium vermittelt bekommst, hat wenig mit dem wahren Schulalltag zu tun. Nächste Woche beginnt mein viertes Praktikum, aber auch 2-3 Stunden eigenverantwortlicher Unterricht sind nicht vergleichbar mit einer, wo du dich ausprobieren kannst und deine Stärken und dich ganz neu kennenlernst.

Abschließend kann ich daher jedem wirklich ans Herz legen, während oder am besten vor dem Studium schon möglichst viel Praxiserfahrung zu sammeln. Ich kenne mittlerweile so viele Studierende, die teilweise 8 Semester studieren und dann im Referendariat merken: „Das da, das ist nichts für mich.“ Meinem Studium hat die Arbeit parallel nicht geschadet, sondern mich vielmehr darin bestärkt und mir gezeigt, warum ich das alles (Klausuren, Hausarbeiten usw.) mache. Überall werden Lehrer*innen händeringend gesucht. Also worauf wartest du 🙂

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